Bezirksamt Hamburg-Nord                                                                                 Den 25.01.01

  

A N T W O R T 

a u f  d i e 

K L E I N E   A N F R A G E        N r .  56/2000

 

Fragesteller:    BAbg.  Petra Wilske (CDU)

 

Betr.:  Nachtflüge am Hamburger Flughafen 

Nach Einholen einer Stellungnahme der Umweltbehörde auf Grundlage von Auskünften der Flughafen Hamburg GmbH (Frage 1) beantwortet das Bezirksamt die Fragen wie folgt: 

Zu 1:

Siehe Anlage.

Die Zahlen für das Jahr 2000 liegen erst bis November vor.

 

Zu 2: 

Die seit 1997 stark gestiegene Zahl von Flugbewegungen zwischen 22 und 23 Uhr (reguläre Betriebszeit des Flughafens) beruht in erster Linie auf einer gestiegenen Zahl in Hamburg stationierter Flugzeuge (d.h. Flugzeuge, die über Nacht in Hamburg bleiben). Der Grund dürfte in der wachsenden Nachfrage nach Flugdienstleistungen liegen. 

Die starke Zunahme der Verspätungen zwischen 23 und 24 Uhr (für die der Linienflug- und regelmäßige Pauschalreiseverkehr keine Einzelausnahmegenehmigung benötigt) in 1998 und 1999 beruhte nach Aussagen der Fluggesellschaften überwiegend auf Engpässen der Flugsicherungen in Europa. Für Flugzeuge muss vor dem Start sichergestellt werden, dass sie bis zum Zielflughafen freien Flug haben. Diese Koordinierung erfolgt durch einen Zentralrechner in Brüssel (Central Flow Managment Unit), der jedem Flug ein Zeitfenster für den Start gibt (Slot). Sind einzelne Luftstrassen überlastet, müssen abflugbereite Flugzeuge am Boden warten, bis sie einen Slot bekommen. Dies führt zu einer Kettenreaktion von Verspätungen, da ein verspätet ankommendes Flugzeug dann auch wieder verspätet startet. Zusätzlich führt das Bestreben der Luftverkehrsgesellschaften nach möglichst kurzen Anschlusszeiten bei Umsteigeflügen und möglichst geringen Bodenzeiten zwischen Landung und Start dazu, dass die Verspätung eines Fluges auch zu Verspätungen anderer Flüge führt, Verspätungen im Laufe des Tages nicht mehr aufgeholt werden können und dann auch nächtliche Verspätungen eintreten. 

Die Fluggesellschaften wirken den Verspätungen entgegen, in dem sie die Engpässe bei der Flugplanung berücksichtigen bzw. zusätzliche Flugzeuge einsetzen, um Verspätungen aufzufangen. Nach Presseberichten hat z.B. die Lufthansa acht zusätzliche Flugzeuge eingesetzt, die nur dazu dienen, die Folgeketten einzelner Verspätungen zu vermeiden. Auf europäischer Ebene wird ferner darauf hingewirkt, Engpässe in den nationalen Flugsicherungen zu beseitigen und die zentrale Koordinierung zu verbessern.  

Ein wesentlicher Faktor für die Flüge zwischen 23 und 24 Uhr in Hamburg sind auch die Verspätungen der beiden Nachtluftpostmaschinen (die nicht den Nachtflugbeschränkungen unterliegen). Starts zwischen 23 und 24 Uhr sind fast ausschließlich Postmaschinen, die planmäßig werktags um 23 Uhr starten sollen. Grund können sowohl die verspätete Ankunft der Passagierflugzeuge sein, die anschließend als Postflüge eingesetzt werden, als auch Verzögerungen in der Postanlieferung zum Flughafen. Die zuständigen Behörden haben sich mehrfach mit dem Thema befasst und sowohl die Post als auch die Lufthansa (als Carrier der Post) aufgefordert, nach Abhilfe zu suchen. 

Während die Gesamtzahl der Flüge zwischen 22 und 24 Uhr in den ersten elf Monaten des Jahres 2000 auf hohem Niveau stagnierte, ging die Zahl der Verspätungen zwischen 23 und 24 Uhr um knapp ein Viertel zurück.

 

Zu 3.,4. und 5: 

Ziel ist die Verringerung der Lärmbelastung, insbesondere in der Zeit zwischen 22 und 24 Uhr (Regierungsprogramm). 

1998 wurde das lärmabhängige Grundentgelt in den Tagesrandzeiten eingeführt, mit dem Zuschläge zum Landeentgelt in Abhängigkeit von der Lärmklassenzuordnung und der Landezeit erhoben wurden.

Die Wirkung von marktwirtschaftlichen Maßnahmen ist schwer erfassbar, da bekannt sein müsste, wie die Entwicklung ohne die Maßnahme verlaufen wäre. Tatsache ist jedoch, dass das angestrebte Ziel bisher nicht erreicht wurde. 

Im Regulierungsvertrag vom Mai 2000 wurde die Flughafen Hamburg GmbH (FHG) verpflichtet, „über differenzierte Entgelte effektive Anreize zu leiseren Flugzeugen zu schaffen. Der technische Fortschritt zu umweltfreundlicheren Typen soll durch die Entgeltpolitik gefördert werden, insbesondere die Lärmbelastung in der Nacht soll dauerhaft reduziert werden.“

Eine Arbeitsgruppe aus Wirtschaftsbehörde, Stadtentwicklungsbehörde, Umweltbehörde und FHG hat Vorschläge für Landeentgelte nach dem tatsächlichen Lärm der Flugzeuge entwickelt und Aufschläge für die Nachtzeit vorgeschlagen. Die Vorschläge sind den Fluggesellschaften zur Stellungnahme vorgestellt worden. Die Erarbeitung eines neuen Entgeltsystems obliegt der FHG.

 

 

 

Frommann