Bezirksamt Hamburg-Nord                        Den 12.09.2002

ANTWORT

auf die 
Kleine Anfrage Nr. 51/02

Fragesteller: BAbg. Rolf Böckenholt

Betr. Magen-Darm-Erkrankungen durch Campylobacter-Bakterien (Antwort KA 51/02)

In der gesamten Bundesrepublik wird ein deutlicher Anstieg der Campylobactererkrankungen beobachtet. Dieser Anstieg ist allerdings teilweise auf ein gestärktes Bewusstsein der Ärzte über die Bedeutung dieses Erregers und eine intensivere Erfassung und verbesserter Diagnostik zurückzuführen. Bei den Vergleichen der Erkrankungsraten zwischen den Bezirken muss bedacht werden, dass die vorliegenden Daten nicht nur tatsächliche Unterschiede in den Erkrankungshäufigkeiten wiederspiegeln, sondern auch durch das Verhalten der Ärzte bei der Feststellung einer Durchfallserkrankung beeinflusst werden. Die meisten in Hamburg-Nord ansässigen Ärzte wurden darüber informiert, dass die im Zusammenhang mit dem Infektionsschutzgesetz erforderlichen Untersuchungen nicht zu Lasten des ärztlichen Budgets erfolgen und sind dadurch möglicherweise eher bereit Stuhlproben untersuchen zu lassen. Die beobachteten Unterschiede können aber auch auf Zufällen beruhen.

Vor diesem Hintergrund beantworte ich die Kleine Anfrage wie folgt:

zu 1.:
Da keine Massenerkrankungen an Campylobacter in Hamburg-Nord zu beobachten waren, gibt es keine befriedigende Hypothese für dieses Phänomen (s. Vorspann).

zu 2.:
Das Gesundheits- und Umweltamt geht jeder Meldung einer Campylobacterinfektion nach. Die Erkrankten werden bei Eingang der Meldung schriftlich aufgeklärt und erhalten immer das Angebot einer mündlichen Beratung sowie einen Fragebogen, den sie zur Auswertung zurücksenden. Bei fehlender Antwort oder ungenügenden Angaben erfolgt eine telefonische Kontaktaufnahme, um eine persönliche Beratung vorzunehmen und für den Infektionsschutz erforderliche Angaben zu bekommen. Ergibt die Auswertung des Fragebogens bzw. der telefonischen Auskünfte, dass ein Verdacht auf eine lebensmittelbedingte Erkrankung mit Beteiligung eines Lebensmittelbetriebs vorliegt, informiert das Gesundheits- und Umweltamt unverzüglich das Wirtschafts- und Ordnungsamt sowie das Veterinäramt, die seinerseits Kontrollen der vom Erkrankten benannten möglichen Quellen (z.B.Restaurant) vornehmen.

Das Wirtschafts- und Ordnungsamt informiert Gewerbetreibende präventiv und weist auch erkrankten Verbraucher, die die Ursache für ihre Erkrankung in Lebensmitteln vermuten, auf das Erfordernis einer hygienischen Arbeitsweise bei der Zubereitung von Speisen sowie das Einhalten von Temperaturen bei der Lagerung, Behandlung und der Erhitzung von Lebensmitteln hin. Hierzu gibt es ein Faltblatt "Kochen, essen und gesund bleiben". Zu den "Beratungsangeboten" gehören darüber hinaus Belehrungen nach dem Infektionsschutzgesetz, die das Gesundheits- und Umweltamt bei allen Personen mit nicht privaten Umgang mit Lebensmittel vornimmt. Weiterhin werden Beratungsgespräche im Rahmen von Routine- oder anlassbezogenen Kontrollen durch die Lebensmittel- und Gewerbekontrolleure mit den Gewerbetreibenden vor Ort über Hygiene im Betrieb und im Umgang mit Lebensmittel geführt. Außerdem weist die Handelskammer Hamburg im Rahmen einer Pflichtveranstaltung für alle zukünftigen Gaststättenbetreiber auf den Zusammenhang von Küchenhygiene und die Vermeidung von Erkrankungen hin.

Darüber hinaus kann jeder Bürger Informationen auch in schriftlicher Form vom Gesundheits- und Umweltamt, Veterinäramt und dem Wirtschafts- und Ordnungsamt erhalten.

Frommann