Bezirksamt Hamburg-Nord                        Den 09.05.2003

ANTWORT

auf die

Kleine Anfrage Nr. 15/03

Fragesteller: BAbg. Raßfeld-Wilske, Petra

Betr. Bahnverteilung am Hamburger Flughafen - Kann Fluglärm gerecht verteilt werden? (KA 15/03)

Die Kleine Anfrage beantworte ich wie folgt:

Zu 1.
Siehe Anlage 1

Zu 2.
Nach Auskunft der Deutschen Flugsicherung (DFS) ist aus betriebstechnischer Sicht die Kombination der Bahnen entscheidend, da das Bahnkreuz nicht in der Mitte, sondern am südöstlichen Rand der Bahnen liegt.

Besonders günstig sind die Kombinationen, bei denen Start und Landung über den jeweils kurzen Teil der Bahnen (bis zum Bahnkreuz) erfolgen. Hierbei wird die Zeit minimiert, in der die jeweils andere Bahn durch eine Start- bzw. Landevorgang blockiert ist.
Das ist der Fall bei den Kombinationen:

Betriebstechnisch besonders ungünstig sind die Kombinationen, bei denen Start und Landung über den jeweils langen Teil der Bahnen (bis zum Bahnkreuz) erfolgen, da die jeweils andere Bahn blockiert ist, bis das startende Flugzeug das Bahnkreuz passiert hat.
Dies ist der Fall bei den Kombinationen:

Die anderen Bahnkombinationen liegen von der Betriebsabwicklung her zwischen diesen beiden Varianten.

Die Windverhältnisse erfordern unterschiedliche Bahnkombinationen - teilweise auch betriebstechnisch ungünstige Kombinationen. Ohne Bahnnutzungsregelungen würde vermutlich häufig die Kombination Start Richtung Niendorf/Blankenese (S 23) und Landung aus Richtung Hamm/Alsterdorf (L33) genutzt, da hierbei die An- und Abflugwege besonders kurz wären (denn Herkunft bzw. Ziel der meisten Flüge liegt im Süden). Bei dieser Kombination wären allerdings fast dreimal so viele Menschen betroffen wie bei der Kombination S33/L23 (Siehe auch Antwort zu Frage 4).

Zu 3.
Im wesentlichen gibt es drei Regeln (Wortlaut der Bahnbenutzungsregelungen in Anlage 2)

  1. Starts sollen Richtung Norden (Ohmoor/Quickborn) erfolgen.
  2. Die Richtung Süden (Alstdorf/Hamm) soll nicht benutzt werden.
  3. Zwischen 22 und 7 Uhr sollen auch Landungen aus Richtung Norden (Quickborn/Ohmoor) erfolgen.

Alle Regeln stehen unter dem Vorbehalt, dass dies unter Aspekten der Flugsicherheit möglich ist. Die Entscheidung trifft der jeweils diensthabende Lotse der Deutschen Flugsicherung (DFS) nach pflichtgemäßen Ermessen.

Zu 4.
Eine Untersuchung der Flughafen Hamburg GmbH (Lärmreport Juni 1992) ergab folgende Einwohnerzahlen für die Fluglärmschutzzonen:
Zone 1:    427
Zone 2:    26.835
Zone 3:    56.835

Die Zone 3 wurde 1985 durch den Senat für das Hamburger Gebiet festgelegt. In Schleswig Holstein gibt es keine Entsprechung. Eine Zuordnung nach Bahnrichtungen ist nicht möglich. Die Lärmbetroffenheit nach Bahnrichtung hat die "Arbeitsgruppe An- und Abflugwege der Fluglärmschutzkommissio" 1997  untersucht auf Basis einer Auszählung der Einwohner unter bestimmten Isophonen (Linien gleichen Schalldrucks) durch die Flughafen Hamburg GmbH. Es wurden Start- und Landeisophone eines Airbus A310 (als typisches Flugzeug am Hamburger Flughafen) von 75dB(A) zu Grunde gelegt. (75dB(A) entsprechen etwa der Lautstärke eines im Stadtverkehr vorbeifahrenden LKW vom Bürgersteig aus wahrgenommen.)

Von einem Pegel von 75 dB(A) und mehr ist folgende Zahl von Menschen betroffen:

  Start Landung
Flughafennahbereich (immer betroffen) 4.600 0
Richtung Ohmoor/Quickborn (S33(L15) 4.100 801
Richtung Langenhorn/Lehmsal (S05/L23) 17.200 6.500
Richtung Alstdorf/Hamm (S15/L33) 30.900 15.838
Richtung Niendorf/Blankenese (S23/L05) 23.000 6.521

Zu 5.
Hintergrund der Bahnbenutzungsregelung ist die unterschiedliche Besiedelungsdichte um den Flughafen. Nur in Nordrichtung beginnt die dichte Wohnbebauung nicht gleich jenseits des Flughafenzaunes. Deshalb sollen die besonders lärmintensiven Start in diese Richtung erfolgen. In der Nachtzeit, in der gegenläufiger Flugverkehr wegen des geringen Flugaufkommens möglich ist, sollen auch Landungen aus Richtung Norden erfolgen.

Üblicherweise wird versucht Belastungen, die im öffentlichen Interesse unvermeidbar sind, räumlich so zu legen, dass möglichst wenige Menschen davon betroffen sind, Deshalb bemühen sich z.B. Senat und Bezirke seit langem darum, den Durchgangsverkehr aus den Wohngebieten zu verdrängen und auf den Hauptverkehrsstraßen zu konzentrieren, obwohl auch an den Hauptverkehrsstraßen Menschen wohnen.

Zu 6.
Ergebnisse, die Grundlage für eine andere Bahnnutzungsregelung sein könnten, sind bisher nicht erkennbar.

Frommann           

 

Anlage 1
Zahl der Flugbewegungen 2002 nach Zeit und Richtung

Überflogene Richtung 2002 insgesamt

Zeit Ohmoor/Quickborn Langenhorn/Lehmsal Niendorf/Blankenese Alsterdorf/Hamm
  Start 33 Land. 15 Start 05 Land. 23 Start 23 Land. 05 Start 15 Land. 33
00:00 - 05:59 404 403 55 151 147 67 18 9
06:00 - 07:59 6.565 1.195 1.329 1.047 3.663 664 83 29
08:00- 19:59 29.313 16.319 7.816 24.278 17.706 13.034 851 1.444
20:00 - 23:59 209 428 17 170 93 94 2 16
Gesamt 39.593 23.179 9.720 31.065 23.053 17.376 1.003 1.762

Überflogene Richtung 2002 an Wochentagen (Mo - Fr)

Zeit Ohmoor/Quickborn Langenhorn/Lehmsal Niendorf/Blankenese Alsterdorf/Hamm
  Start 33 Land. 15 Start 05 Land. 23 Start 23 Land. 05 Start 15 Land. 33
00:00 - 05:59 260 316 42 121 119 57 17 9
06:00 - 07:59 5.006 1.053 1.141 925 2.943 608 45 28
08:00- 19:59 21.672 13.272 6.719 17.980 14.087 9.996 537 1.375
20:00 - 22:59 2.571 3.675 432 4.084 1.233 2.656 22 261
23:00 - 23:59 203 278 15 116 91 64 2 10
Gesamt 29.712 18.594 8.349 23.226 18.473 13.381 625 1.683

Überflogene Richtung 2002 an Wochentagen (Sa + So)

Zeit Ohmoor/Quickborn Langenhorn/Lehmsal Niendorf/Blankenese Alsterdorf/Hamm
  Start 33 Land. 15 Start 05 Land. 23 Start 23 Land. 05 Start 15 Land. 33
00:00 - 05:59 144 87 13 30 28 10 1 0
06:00 - 07:59 1.559 142 188 122 720 56 38 1
08:00- 19:59 7.641 3.047 1.097 6.298 3.619 3.038 314 69
20:00 - 22:59 531 1.159 71 1.335 211 861 27 3
23:00 - 23:59 6 150 2 54 2 30 0 6
Gesamt 9.881 4.585 1.371 7.839 4.580 3.995 380 79

 

Anlage 2:

Text der Bahnbenutzungsregeln (Luftfahrhandbuch Deutschland, AD 2, EDDH 1-9)

2. Bahnbenutzungsregeln

2.1 Für Landungen von Luftfahrzeugen mit einem höchstzulässigen Landegewicht von mehr als 200 000 kg ist RWY 05 oder RWY 15 zu benutzen. Abweichungen hiervon sind nur zulässig, wenn Gründe der Luftverkehrssicherheit, insbesondere Witterungs- und  Bahnverhältnisse, dazu zwingen.

2.2 Für Starts auf  RWY 15 und Landungen auf RWY 33 zu benutzen. Abweichungen hiervon sind nur zulässig, wenn die Verkehrslage oder Gründe der Luftverkehrssicherheit, insbesondere Witterungs- und Bahnverhältnisse, dazu zwingen.

2.3 Starts auf RWY 15 und Landungen auf RWY 33 sind nur zulässig, wenn Gründe der Luftverkehrssicherheit, insbesondere Witterungs- und Bahnverhältnisse, dazu zwingen.

2.4 von 2100 bis 0600 /2000 bis 0500) ist für Landungen RWY 15 zu benutzen. Abweichungen hiervon, sind nur zulässig, wenn die für das IFR-Anflugverfahren zur RWY 15 gestegelegten Wetterminima nicht erfüllt sind, ferner unter den Voraussetzungen von 2.3 und bei Vorliegen außergewöhnlicher Verkehrslagen.

2.5 Weitere Ausnahmen von den Regelungen unter 2.2 bis 2.4 kann der Flugplatzkontrolldienst im Einvernehmen mit der örtlich zuständigen Luftfahrtbehörde zulassen.