ANFRAGE    

Hamburg, 22.09.2004

Betr.: Jugendeinwohnerwert                                                    

Teil A: Allgemein

Die Verteilung der Mittel für Kinder- und Jugendarbeit/Jugendsozialarbeit (Titel 4440.684.81) auf die Bezirke erfolgt zu 3% nach Sozialindikatoren. Für die Aufteilung der Gelder auf die einzelnen Planungsräume (bzw. Verteilung an die einzelnen Einrichtungen) im Bezirk wurde vorgeschlagen, sich ebenfalls an Sozialindikatoren, den sog. Jugendeinwohnerwerten zu orientieren.

Vor diesem Hintergrund fragen wir:

  1. Wer (welche Person, Gruppe, AG, Workshop) hat das Konzept des Jugendeinwohnerwertes entwickelt?

  2. Gibt es schriftliche Unterlagen über das Konzept des Jugendeinwohnerwertes, insbesondere auch zur Begründung, warum dieses   Verfahren zu einer bedarfsgerechten Verteilung der Mittel führt bzw. führen soll?

  3.  Wenn ja, welche Unterlagen gibt es? 

Teil B: Bezogen auf den Bezirk Hamburg-Nord:

Wie aus den für die AG Jugendhilfeplanung zur Verfügung gestellten Unterlagen ersichtlich ist, setzt sich der Jugendeinwohnerwert (kurz JEW) aus den vier JEW-Indizes unter 18-jährige, unter 18-jährige Ausländer, unter 18-jährige von Alleinerziehenden und unter 18-jährige mit Hilfen zum Lebensunterhalt zusammen, die jeweils zu 25% in den JEW eingehen.

Zum Beispiel:

Daten unter 18-jährige (kurz: u 18-jährige) je Planungsraum
(Die Daten in den Spalten 2, 4, 5, 6 u. 7 sind aus den Unterlagen entnommen)
 

1

2

3

4

5

6

7

 

 Anzahl u 18-jährige

 %-Anteil u 18-jahrige

Anzahl
Bevölkerung

%-Anteil
u 18-jährige an
Bevölkerung

  JEW

JEW-Index:
%-Anteil von
JEW-Gesamt

P1

3.569

10,58

31.355

11,38

4.383

9,24

P2

2.938

8,71

20.836

14,10

4.598

9,69

P3

5.375

15,93

48.610

11,06

6.387

13,46

P4

            2.286

6,78

23.956

                 9,54  

2.286

4,82

P5

8.612

25,53

85.129

10,12

9.231

19,46

P6

3.805

11,28

25.852

14,72

6.247

13,17

P7

            7.153

21,20

40.616

             17,61  

14.306

30,16

Summe

33.738

100

276.354

 

47.438

100

Entsprechend werden die andern drei Indizes gebildet. Bei diesen verwendet man den Prozentanteil der Indikatorgröße an den unter 18-jährigen im jeweiligen Planungsraum.

z. B. Daten unter 18-jährige mit Hilfen zum Lebensunterhalt (kurz: u 18-HZL) je Planungsraum
(Die Daten in den Spalten 2, 4, 5, 6 u. 7 sind aus den Unterlagen entnommen)  

 

 Anzahl
u 18-HZL

 %-Anteil
u 18-HZL

 Anzahl u 18-jährige

%-Anteil
u 18-HZL an
u 18-jährige

 JEW

JEW-Index:
%-Anteil von
JEW-Gesamt

P1

113

2,95

3.569

3,17

1.134

1,77

P2

242

6,31

2.938

8,24

318

4,99

P3

476

12,41

5.375

8,86

643

10,10

P4

173

4,51

2.286

7,57

220

3,45

P5

1.671

43,55

8.612

19,40

3.342

52,47

P6

279

7,27

3.805

7,33

351

5,51

P7

883

23,01

71.563

12,34

1.382

21,70

Summe

3.837

100

33.738

 

6.369

100

Betrachtet man den Indikator unter 18-jährige ergibt sich folgendes:

Im Planungsraum 5 beträgt die Anzahl der u 18-jährigen 8.612 das ist ein Anteil von 25,53 % an der Gesamtanzahl aller unter 18-jährigen in den Planungsräumen 1 bis 7. Der JEW-Index und damit der Anteil der Mittel für diesen Indikator beträgt hingegen nur 19,46 %.

Im Planungsraum 7 beträgt die Anzahl 7.153, das entspricht 21,20 % an der Gesamtanzahl der unter 18-jährigen. Der JEW-Index beträgt hier 30,16 %.

In P5 sind 1459 mehr unter 18-jährige als in P7, der JEW-Index und damit der Anteil an Mittel für diesen Indikator ist aber ca. 10 % niedriger.

Vor diesem Hintergrund fragen wir:

  1. Wie wird dieser Minderbedarf in P5 bzw. Mehrbedarf in P7 begründet?
  2. Warum ist der Bedarf der Jugendlichen geringer, wenn sie in einem Gebiet wohnen in dem relativ mehr Erwachsene leben?

Entsprechendes ergibt sich, wenn man den Indikator der unter 18-jährige mit HZL betrachtet:

In P1 leben 113 unter 18-jährige mit HZL, das ist ein Anteil von 2,95 % an der Gesamtsumme von P1 bis P7. Der JEW-Index ist mit 1,77 % fast nur halb so groß. In P5 beträgt der Anteil 43,55 %, der JEW-Index liegt mit 52,47 % deutlich über diesen Wert.

  1. Wie wird es begründet, dass der Bedarf geringer ist, wenn Jugendliche mit HZL in einem Gebiet leben in dem relativ mehr Jugendliche insgesamt sind?
  2. Gibt es Untersuchungen (bzw. statistisches Zahlenmaterial), die belegen, dass bei gleicher absoluter Anzahl unter 18-jähriger bzw. unter 18-jährige Ausländer, unter 18-jährige mit HZL  ein erhöhter Bedarf an Mitteln besteht, wenn diese in einem Gebiet leben indem ihr relativer Anteil bezogen auf die Anzahl der Bevölkerung bzw. Gesamtanzahl unter 18-jährige höher ist?
Elisabeth Voet van Vormizeele                             Regina Straßberger