Kleine Anfrage

 Hamburg, den 26.04.06 

Betr.:  Besondere Förderung für hochbegabte Schülerinnen und Schüler 

An bestimmten Schulen sollen mit Beginn des neuen Schuljahres besonders begabte Schülerinnen und Schüler die Möglichkeiten haben, spezielle Klassen zu besuchen. In diesen Förderklassen sollen sie verstärkt ihren Interessen und Neigungen nachgehen können, ohne zu Außenseitern zu werden. Die Zulassung zu den Fördermaßnahmen setzt eine Aufnahmeprüfung voraus. 

Vor diesem Hintergrund frage ich den Herrn Bezirksamtsleiter: 

  1. An welchen Schulen sollen in welchen Bereichen entsprechende Förderklassen entstehen?
  2. Wie können Schülerinnen und Schüler an entsprechenden Angeboten teilnehmen, wenn es an ihrer Schule keine entsprechenden Förderklassen gibt?
  3. Wie sehen die erforderlichen Aufnahmeprüfungen aus und wann werden sie durchgeführt?
  4. Wie wird sichergestellt, dass alle entsprechenden Schülerinnen und Schüler an den Aufnahmeprüfungen teilnehmen (können)?
  5. In welchen inhaltlichen Bereichen soll die spezielle Förderung erfolgen?

Petra Raßfeld Wilske

Bezirksabgeordnete

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Bezirksamt Hamburg-Nord                        Den 15.06.2006

A N T W O R T

a u f  d i e

Kleine Anfrage Nr. 8/06

Fragesteller:    BAbg.  Raßfeld - Wilske, Petra

Betr.: Besondere Förderung für hochbegabte Schülerinnen und Schüler (KA 08/06)

Die Behörde für Bildung und Sport beantwortet die Kleine Anfrage wie folgt:

„Zu Frage 1.:

Grundsätzlich können sämtliche staatlichen Hamburger Schulen Maßnahmen der Begabtenförderung und zwar in allen Begabungsbereichen durchführen.

Zu diesem Zeck werden die Hamburger Schulen zurzeit umfassend durch die Behörde für Bildung und Sport (BBS) und die Beratungsstelle für besondere Begabungen (BbB) über die Möglichkeiten und Modelle zur Begabtenförderung informiert und motiviert. Den Schulen werden umfassende Beratungs-, Unterstützungs-, Fortbildungs- und Steuerungsangebote sowie Handreichungen und Modellvorschläge zur Begabtenförderung durch die BBS und die BbB unterbreitet bzw. zur Verfügung gestellt.

Die Schulen entwickeln ihre Förderungskonzepte selbst, machen diese in der Regel zum Gegenstand von Ziel- und Leistungsvereinbarungen und „profilieren“ sich damit. Dies entweder im Rahmen der bereits bestehenden Gestaltungsmöglichkeiten oder, sofern die Schulen darüber hinausgehen wollen, im Rahmen eines Schulversuchs.

Es haben sich bereits einige Schulen interessiert gezeigt, sich durch Begabtenförderung zu profilieren. Bis zum 1. August 2006 sind entsprechende Ziel- und Leistungsvereinbarungen für das neue Schuljahr abzuschließen. Dann wird der Behörde eine Übersicht über die fördernden Schulen und ihre geplanten Konzepte vorliegen. Die Fördermaßnahmen können jedoch wegen der von den Schulen vorzunehmenden zeitlich aufwändigen Entwicklung der Konzepte und der Aufnahmeverfahren, sowie der zeitgerechten Information der Öffentlichkeit nicht vor dem 1. August 2007 beginnen.

Zu Frage 2.:

In der Regel setzt eine Teilnahme an Förderungsmaßnahmen voraus, dass die Schülerinnen und Schüler der fördernden Schule angehören. Ggf. ist auch eine Teilnahme durch Kooperationen von Schulen möglich.

Zu Frage 3.:

Bei der Einrichtung von Begabtenklassen und -kursen oder anderer Fördermaßnahmen erfolgt die Auswahl der teilnehmenden Schülerinnen und Schüler grundsätzlich über ein schulisches Aufnahmeverfahren. Zweck der Verfahrenskriterien ist es festzustellen, ob die für die Fördermaßnahme sich bewerbenden Schülerinnen und Schüler dafür geeignet sind.

Die Schule legt die Kriterien für das Verfahren im Rahmen ihrer Eigenständigkeit als selbstverantwortete Institution selbst fest, wobei ihr ggf. von der BBS Eckpunkte vorgegeben werden. Die Kriterien werden im Rahmen von abzuschließenden Ziel- und Leistungsvereinbarungen von der Schulaufsicht überprüft.

Zu Frage 4.:

Über die Zulassung zur Teilnahme an dem Aufnahmeverfahren entscheidet die Zeugniskonferenz der fördernden Schule gemäß § 62 Absatz 1 Nummer 2 Hamburgisches Schulgesetz (HmbSG). Sie stützt sich dabei auf ihre fortlaufende Beobachtung der Lern- und Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler oder, bei Schulwechsel, auf die Beobachtungen insbesondere Empfehlungen der abgebenden Schule.

Die Lern- und Leistungsentwicklung der Schülerinnen und Schüler lässt sich

-          den aktuellen Beobachtungen durch die Lehrerinnen und  Lehrer,

-          den aktuellen Zeugnisnoten,

-          den Zeugnisbemerkungen und vor allem

-          dem systematisch und fortlaufend geführten Lernentwicklungsblatt

entnehmen. Es können auch Testungen anerkannt werden, die von fachkundigen außerschulischen Instituten vorgenommen worden sind.

Zu Frage 5.:

Die Schulen können zur Förderung begabter und hochbegabter Schülerinnen und Schüler neben so genannten „Springer-Klassen“

-          spezielle Klassen und/oder Kurse einrichten,

-          neue Fächer gestalten und einführen,

-          die schulinternen Gestaltungsmöglichkeiten im Bereich von Kurskombinationen und Fächerverbünden erweitern,

-          bestimmte Organisationsformen, wie die Blockung von Stunden, Themenmodule, Fachtage und Projektzeiten für den „Begabtenzug“ neu bestimmen,

-          außerschulische Kooperationsmöglichkeiten wahrnehmen und verbindlich machen.“

 

Frommann

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